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stp-baby Redaktion
8. November 2018

GEMEINSAM AUTHENTISCH DURCH GATSCH-PFÜTZEN HÜPFEN

Aus jedem Tag etwas Besonderes machen: Mama Anita aus Ober-Grafendorf im Eltern-Interview

Anita (32) aus 3200 Ober-Grafendorf in Niederösterreich erzählt uns im inspirierenden Eltern-Interview mit stp-baby, wie sie mit Töchterchen Selina (16 Monate) die Tage bunt gestaltet - und warum da Gatsch und Tiere genauso selbstverständlich dazugehören wie Authentisch-Sein und viele Bussis. (Und ab und zu auch eine Mama-Auszeit ;-))

Anita, du, dein Partner und eure kleine Selina leben ja im schönen Pielachtal. Was sind denn deine liebsten Freizeit-Beschäftigungen mit Selina - wie sieht ein „typischer Tag" bei euch aus?

"Unser Tag ist immer etwas anders, je nachdem, was wir geplant haben. Aber wenn wir mal nichts vorhaben, dann lasse ich mir gerne auch mal von meiner Tochter sagen was sie gerne hätte. Sie liebt z.B. den Hammerpark St. Pölten - und sagt 'Park', wenn sie dorthin will. Oder: Sie hat auch schon zwei gute Freunde, wo sie öfters hin möchte.

Wir beide lieben die Natur, und ich finde es am schönsten, sie draußen herumtollen zu sehen. Ich liebe ihre strahlenden Augen, wenn sie etwas entdeckt oder mir etwas schenkt. Es ist so schön, mit Ihr gemeinsam draußen den Jahreslauf zu erleben - gerade jetzt im Herbst, wo die Blätter in den buntesten Farben leuchten.

Ansonsten ist unser Tag wie bei vielen: In der Früh stehen wir meistens zwischen 6 und 7 Uhr auf, frühstücken etwas, kuscheln oder spielen noch eine Runde und gehen dann hinaus. Mittags gibt es Essen und danach versuche ich, dass mein Mädchen schläft. Das Thema Schlafen ist bei uns nämlich ein sehr Schwieriges. Mein kleiner Wirbelwind kommt schwer zur Ruhe und schläft schlecht ein und durch. Am besten schläft sie bei mir, während ich sie stille. Sie braucht noch immer sehr stark die Brust, da es für sie Trost, Wärme und Liebe bedeutet. So individuell die Menschen nun mal sind, so sind es auch ihre Bedürfnisse. Und bei meiner Tochter ist nun mal ihr 'Nucki' ihr ein und alles."

Gibt es ein Highlight wie einen speziellen Kurs oder Ausflug, an den du dich erinnerst?

"Ich versuche aus jedem Tag etwas Besonderes für meine Tochter zu machen. Klingt jetzt eigen, aber ist wirklich so. Denn eine meiner Lebenseinstellungen ist, jeden Tag so zu leben, als wäre es mein letzter. Wer weiß, wieviel Lebenszeit einem noch bleibt? Darum versuche ich, die Zeit mit meinem Kind wirklich zu nutzen und zu genießen.

Egal, ob wir in unseren besagten Lieblingspark gehen, durch Gatschpfützen hüpfen oder andere tolle Dinge erleben. Wir waren auch schon mal im Zoo Schönbrunn - davon war sie aber nicht annähernd so begeistert wie bei den anderen Dingen. Aber das lag sicher auch an den vielen Menschen, die dort waren.

Am Abend, wenn wir über den Tag reden, dann merke ich erst, wie viele Highlights dabei waren - einige auch, die mir selbst so gar nicht bewusst sind. Wenn meine Maus beim Erzählen Miau macht und 'Mimi' sagt, erinnere ich mich erst daran, dass uns ja die Nachbarskatze besuchte und wir sie gemeinsam gefüttert und gestreichelt haben.

Bei Highlights denken wir oft zu groß, dabei sind es oft die kleinen Dingen, die unseren Kindern in Gedächtnis bleiben. Selina liebt es auch sehr, bei ihren Großeltern zu sein, wo sie auch einiges erlebt und mir dann am Abend nochmals begeistert davon berichtet. Eins ihrer Highlights war aber sicher der Besuch der Therme Laa, wo wir an einem 'kühleren' Spätsommertag waren - und somit den netten Innen- und Außenbereich gut nutzen konnten. Obwohl es meiner Wasserratte schlussendlich wohl egal gewesen wäre, wo sie herumtollt und -pritschelt."

In welchen Bereichen und wie deutlich hast du als Mensch dich eigentlich verändert, seit deine Tochter auf der Welt ist?

"Seit Selina auf der Welt ist, bin ich auf jeden Fall organisierter und selbstbewusster. Viele Mamas kennen sicher die 'gut gemeinten Ratschläge', die bösen Blicke und das Getratsche, wenn das Kind 'aus der Rolle fällt' oder dergleichen - da braucht man einfach ein starkes Selbstbewusstsein, um solche, oft unangenehmen Situationen gut zu überstehen und sich dem Kind angemessen zu verhalten. Oft verhalten wir uns in der Öffentlichkeit ganz anders, als zuhause - nur, damit es keine bösen Blicke oder anstrengenden Diskussionen gibt. Wir geben schneller nach und tun alles, damit Ruhe ist - und das eigentlich nur, weil wir es den anderen recht machen und nicht auffallen wollen. Ich weiß, es ist nicht immer leicht, aber man sollte gerade auch in solchen Situationen als Eltern zum eigenen Erziehungsstil und zu den persönlichen Werten stehen - auch, wenn das vielleicht Gegenwind bedeutet. Gerade für unsere Kinder ist es wichtig, authentisch zu sein und bei sich zu bleiben. Denn genau diese Werte wollen wir ihnen ja auch vermitteln. Wir sind die Vorbilder für unsere Kinder - das darf man nicht vergessen."

Was empfindest du am Muttersein als besonders schön, Anita?

"Bei der Frage musste ich, ehrlich gesagt, kurz überlegen, was ich antworte. Nicht, dass mir nicht einiges einfallen würde, was toll ist an meinem 'Mutter-Sein', aber das ist eben MEIN Mutter-Sein - und das gehört klar und deutlich gesagt. Ich finde, wir leben in einer Gesellschaft, die zu oft auf Schein aufgebaut ist. Das fängt bei der Standardfloskel 'Wie geht’s dir' an (interessiert es einen wirklich bzw. wer nimmt sich ehrlicherweise da wirklich die Zeit um zu zuhören?) und endet damit, dass wir am besten immer gut gelaunt sein sollten, denn sonst sind wir eine Zicke, Memme oder dergleichen. Für negative Gefühle oder gar Depression ist oft kein Platz in unserer Mitte. Und so ist es auch mit dem Muttersein.

Sobald ein Kind da ist, sollten wir vor lauter Glück Purzelbäume schlagen. Was, wenn dem nicht so ist? Nicht alle Frauen kommen mit der Mutterrolle zurecht. Bei anderen Jobs kann man versuchen, etwas zu verändern oder letztendlich kündigen. Aber hier? Hier gibt es kein Probemonat oder dergleichen - man muss in die Rolle hineinwachsen. Den einen gelingt es mehr, den anderen weniger. Und dann spielen noch ganz viele weitere Faktoren mit, wie z.B. ob ich einen Partner habe oder zumindest liebe Menschen, die mich unterstützen, wie der Charakter meines Kindes ist usw. Ich kann mir gut vorstellen, dass es einer alleinstehenden Mutter mit 'Schreikind' (ich finde den Begriff nicht schön aber er ist nun mal am geläufigsten) anders geht als einer Frau, die ein 'ruhiges' Kind hat und noch dazu mit Papa, Großeltern usw. gesegnet ist. Also bitte, liebe Mamas, lasst euch nicht von dieser Frage verunsichern, wir alle kennen Up und Downs mit Kindern - und holt euch Hilfe, egal, ob Familie und FreundInnen oder professioneller Art.

Was ich toll finde am Mama-Sein sind die leuchtenden Kinderaugen, ein herzliches Lachen oder ein feuchtes Bussi von meiner Maus. Dass man ganz viel Quatsch machen kann mit den Mäusekindern und dass man selber nochmals zum Kind wird. Das Leben ist viel bunter. Jeder Tag ist anders und wie eine Wundertüte - man weiß nie, was auf einen zukommt."

 

Welche Momente sind denn für dich in deinem Mutter-Sein auch mal anstrengend - und wie gehst du damit um?

"Anstrengendere Momente gibt es immer wieder mal, aber das gehört zum Mama-Sein dazu. Mir hilft viel dabei, dass ich eine positive Lebenseinstellung habe und eine sehr ausgeglichene ruhige Persönlichkeit bin. Außerdem hilft es einem ungemein, wenn man weiß, was in seinem Kind vorgeht bzw. warum es sich so verhält. Dazu kann ich das Werk 'Babyjahre' von Remo H. Largo oder das Buch 'Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn' empfehlen - aber es gibt auch noch ganz viele andere tolle Bücher dazu. Und wenn wir schon beim Lesen sind: So eine Mama-Auszeit tut auch gut und hilft, die Akkus aufzuladen. In diesem Sinne möchte ich den Großeltern beiderseits und allen voran meinem lieben, wunderbaren Partner von Herzen danken: Ihr seid eine tolle Stütze für mich - und für Selina eine große Bereicherung!"

Gibt es abschließend einen Tipp oder "Alltagshack", den du mit unserer stp-baby Eltern-Community teilen möchtest?

"Ich persönlich finde, den besten Tipp, den man einer Mama mitgeben kann, ist, dass sie auf ihr Bauchgefühl hören soll. Eine Mutter spürt instinktiv, was richtig oder falsch ist und was ihr Kind braucht. Und auch, dass nicht alles perfekt sein muss. Der Haushalt kann mal liegen bleiben und zur Not gibt es Lieferservice. Gerade in der Anfangszeit sollte das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund stehen dürfen. Außerdem sollte man nach Möglichkeit unbedingt Familie und Freunde einspannen, die einem einiges abnehmen können - und sei es nur, dass sie im Haushalt helfen oder eine warme Mahlzeit zubereiten. Solche kleinen Liebesdienste entlasten enorm.

Und ich möchte euch von Herzen 'meine' Kinesiologin Evelyn Patscheider empfehlen. Ihre Naturpraxis ist ein wunderbarer Ort, um zu entspannen und seine Sorgen zu vergessen. Egal, ob groß oder klein - bei ihr sind wirklich alle gut aufgehoben. Sie hat uns intensiv geholfen, als der Start mit Selina sehr schwierig war. Meine Maus war einfach noch nicht bereit für unsere Welt, weinte viel und schrie sich oft die Lunge aus dem Leib. Das einzige, was halbwegs half, waren Stillen und Tragen - dennoch war das kein zumutbare Zustand für uns alle. Bis ich nach langer Suche auf Evelyn stieß und sie uns durch verschiedene Anwendungen half - ua. vermittelte sie uns außerdem eine Cranio Sacrale-Therapie, die zur Unterstützung auch toll war. Mir half auch, dass mir jemand Außenstehender endlich zugehört hat, mich ernst nahm und mir bzw. uns aufrichtig helfen wollte. Dafür bin ich Evelyn sehr dankbar - und kann sie wirklich nur wärmstens empfehlen."

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