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stp-baby Redaktion
6. January 2018

SCHLAF-ENTZUG, HORMON-WAHNSINN UND UNGLAUBLICHE LIEBE

Freelancer-Mama Lisa aus Wiener Neustadt im Interview

Lisa T.*) (40) lebt und arbeitet in Wiener Neustadt. Ihre Tochter Noe ist 2,5 Jahre alt. Gemeinsam mit Noes Vater Richard (46) schupft Lisa Job und Familie. Als langjährige Trainerin auf selbständiger Basis war sie Stress in jeder Hinsicht gewohnt - dachte sie. Im Interview erzählt sie, was die Geburt ihrer Tochter Noe alles relativiert hat. Offen und ehrlich beantwortet sie unsere Fragen: Was ist schön am Mutter-Sein, was ist schwierig - und wo im heimischen System gäbe es ihrer Meinung nach Verbesserungsbedarf nach oben hin?

Lisa, was hat sich bei dir als Person bis zum heutigen Zeitpunkt ganz grundlegend geändert, seit Noe auf der Welt ist?

"Ich nehme meine eigenen 'Probleme' nicht mehr so tragisch ernst, weil jetzt einfach unsere Tochter im Mittelpunkt meiner Bemühungen steht. Das ändert sich wahrscheinlich auch nicht mehr – daran ist einfach die bedingungslose Mutterliebe schuld. Beziehungsweise bin ich - jetzt wo sich alles so halbwegs eingespielt hat - tatsächlich entspannter geworden. Ich lebe mittlerweile nach dem Motto: Das ist halt wieder eine neue Phase - und die geht auch vorbei."

Welche Herausforderungen gibt es für dich als Mutter, mit denen du nicht gerechnet hättest? Und noch wichtiger: Wie gehst du damit um, welche Lösungen hast du für dich gefunden?

"Die ersten Monate nach Noes Geburt hatte ich das Gefühl, dass es mich selbst überhaupt nicht mehr gibt, weil ich nur mehr aus Still- bzw. Hormon-Wahnsinn und Schlaf-Entzug bestand. Also eh die perfekte Folter, wenn man so will. Unsere Kleine ist nämlich aufgrund ihres geringen Körper-Gewichts Tag und Nacht an meinem Busen gehangen - und die Stillerei hat leider nicht so toll geklappt, wie ich mir das erwartet hatte. Nachdem ich aber eine harte Nuss bin, wollte ich diesbezüglich nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und hab die Geschichte hartnäckig weiterverfolgt. Nach einem Monat haben Hebamme und Kindes-Vater dann nach harten Verhandlungen mit mir 'stillendem Mutter-Tier' eine mehr oder weniger Fifty-Fifty-Fütter-Variante durchgesetzt. Dafür bin ich heute übrigens echt dankbar! So hab ich dann doch ein wenig Nacht-Schlaf bekommen. Noe ist ja nun schon zweieinhalb, und mittlerweile gibt es mich wieder. Ich achte darauf, ganz bewusst Zeit nur für mich ganz alleine einzuplanen. Soweit das halt möglich ist. Das muss man nämlich auch erst wieder lernen .... Na sowas ..."

Gibt es etwas, das du bei einem zweiten Kind grundlegend anders machen würdest?

"Die Frage stellt sich für mich nicht, da Noe ein Einzel-Kind bleiben wird."

Wo im - privaten, familiären, rechtlichen oder gesellschaftlichen - Umfeld siehst du Potentiale zur Verbesserung, hinsichtlich Eltern- oder auch speziell Mutterschaft?

"Ich habe mal den Ausspruch gehört, um ein Kind großzuziehen, benötigt es ein ganzes Dorf, oder so ähnlich (das ist tatsächlich ein Sprichwort, wahrscheinlich aus Afrika, red. Anm.). Ich denke, man tut wirklich gut daran, sich ein Umfeld zu schaffen, auf das man betreuungsmäßig zurückgreifen kann. Anfangs will man alles alleine machen und es fällt auch manchmal schwer, vom persönlichen Perfektheitswahn loszulassen. Es ist echt unglaublich, was eine Mutter alles leistet - wenn man sich selbst bzw. den Haushalt nicht völlig verwahrlosen lassen will und auch noch private Beziehungen pflegt (was sowieso erst wieder zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist). So ein kleines Würmchen schafft es tatsächlich, ab der ersten Sekunde nach dem Aufstehen bzw. auch nächtens bis zum Schlafengehen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - wenn nötig auch mit Blechtrommel-haftem Geschrei. Da schmeisst man schon manchmal die Nerven weg und will davonlaufen. Außerdem ist das Kinder-Betreuungsgeld schlichtweg viel zu niedrig – egal, welche Variante man wählt. Ich weiß, es gibt schon wieder eine Neuerung, aber das ist auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Kinder-Betreuung wäre meiner Meinung nach auf jeden Fall gleichzustellen mit einem - mindestens! - 40-Stunden-Job. Wohlgemerkt mit Erschwernis-Zulage. Ich finde es pervers, dass man sein Kind in eine Betreuungseinrichtung geben muss, für die man wiederum zahlt, weil man wieder job-mäßig aktiv sein muss, damit es sich hinten und vorne finanziell ausgeht."

Wie war das denn bei dir mit dem Arbeiten nach dem Mutterschutz?

"Ich gehöre schon zu der Sorte von Müttern, die froh sind, dass sie relativ schnell wieder im Job aktiv waren - und habe nach 4 Monaten meine berufliche Tätigkeit langsam wieder aufgenommen. Nicht nur, weil ich meine Arbeit extrem gern mache, sondern auch, weil ich 'nur zuhause' wohl wahnsinnig geworden wäre. Aber ich möchte natürlich trotzdem die wichtigsten Momente meines Kindes live erleben - und mir diese nicht von jemand anderem erzählen lassen müssen. Genau diese Momente passieren nämlich in den ersten 2,5 bis 3 Jahren. Außerdem müssten für Kinder-Erziehung auch unbedingt Pensionszeiten angerechnet werden. Immerhin hat man ja wieder einen 'neuen Zahler für dieses Sozial-System' auf die Welt gebracht. Die heute oft gestellte Frage, ob man sich ein Kind 'überhaupt leisten' kann, ist meiner Meinung nach also durchaus berechtigt."

Wo siehst du als Selbständige die Vor- und Nachteile im Vergleich mit Müttern, die im System einer festen Anstellung eingebunden sind?

"Ein klarer Vorteil liegt sicher in der flexiblen Zeit-Einteilung – zumindest in meiner Branche. Anderereits sind z.B. öffentliche kostenlose Kinder-Betreuungseinrichtungen eher auf Angestellte ausgerichtet. Ich beispielsweise brauche, beruflich gesehen, vormittags keinen Kindergarten. Und mir ist die gemeinsame Mutter-Kind-Zeit gerade vormittags auch sehr wichtig. Nachdem meine Arbeitszeit dafür aber die längstmögliche Nachmittagsbetreuungszeit in einem Kindergarten überschreitet, bräuchte ich dafür am gleichen Tag noch eine zusätzliche Betreuungsmöglichkeit. Außerdem ist der Nachmittag wieder kostenpflichtig. In diesem Fall wäre es für Mütter, die nur nachmittags arbeiten, nur fair, ebenso wie die vormittags arbeitenden Mamas einen kostenfreien Nachmittagskindergarten-Platz zur Verfügung gestellt zu bekommen."

Ja, hier ist auf jeden Fall Verbesserungs- und Anpassungsbedarf vorhanden. Aber nun Themen-Wechsel, Lisa! Was ist denn für dich persönlich das Schönste am Mama-Sein?

"Ich kann hier gar keine Reihung vornehmen: Es ist im Großen und Ganzen wirklich schön, Mutter zu sein - auch, wenn es manchmal Momente gibt, wo man sich sein kinderloses Leben zurückwünscht. Aber das sind wirklich nur Ausnahmen. Ich würde meine Tochter keinen Tag missen wollen. Und ich möchte sagen, dass die Mutterschaft aus mir eine ganze Frau gemacht hat. Ich war natürlich vorher auch keine halbe, aber jetzt hat sich quasi der Kreis geschlossen. Und die Liebe, die so ein kleines Wesen plötzlich in einem entfacht, ist einfach unglaublich."

*) Alle Namen von der Red. geändert.

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