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stp-baby Redaktion
11. May 2018

BAUCH UND HERZ KENNEN IMMER DEN RICHTIGEN WEG

Dipl. Shiatsu-Praktikerin & Cranio Sacrale-Therapeutin Elisabeth Fida im stp-baby Interview

Elisabeth Fida ist diplomierte Shiatsu-Praktikerin und Therapeutin für Visionäre Cranio-Sacrale Körperarbeit. In ihrer Praxis in 3943 Schrems im niederösterreichischen Waldviertel betreut sie die unterschiedlichsten Menschen - und führt sie physisch und mental wieder zu Ganzheitlichkeit. Dabei begleitet sie u.a. Frauen während der Schwangerschaft sowie vor und nach der Geburt und auch deren Kinder ab dem Baby-Alter. Als zweifache Mutter bringt sie ihre fürsorgliche, feinfühlige und intuitive Art in die Arbeit mit ihren PatientInnen mit ein. Mittlerweile blickt "Sisi" auf 15 Jahre Berufserfahrung zurück - davon 7 Jahre in ihrer eigenen Praxis. Im stp-baby Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeitsweise und zeigt auf, wie sie Eltern und Kindern unterstützt. Hier geht es zu allen Kontakt-Daten von Elisabeth Fida.

Liebe Sisi! Danke, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Du hast ja ganz viel Erfahrung mit schwangeren Frauen im Shiatsu. Mit welchen Erwartungen, Wünschen, Symptomen oder Problemen kommen die meisten schwangeren Frauen zu dir? Wie kann Shiatsu dabei unterstützen?

"Jede Frau und jede Schwangerschaft ist einzigartig - und deswegen sind auch die jeweiligen Bedürfnisse und Anliegen ganz individuell und beziehen sich auf die persönliche Lebensgeschichte und aktuelle Lebenssituation der Frauen. Dennoch gibt es in meiner Praxis die am häufigsten vorkommenden Beschwerden wie Übelkeit, Rückenbeschwerden, Schlaflosigkeit und ein Mangel an Energie, wenn es schon andere Kinder zu versorgen gibt. Eine Shiatsu oder Cranio Behandlung soll der Schwangeren einen Raum bieten, um ganz mit sich und dem Baby zu sein. Zu fühlen, was es jetzt braucht und in eine tiefe Verbindung mit ihrem Kind zu gehen. Ressourcen zu finden und sich zu entspannen. Besonders wichtig sind aber jene Sorgen und manchmal auch Ängste, die ganz persönliche Bereiche der Frauen betreffen: Was kommt auf mich zu, kann ich mich auf meinen Körper verlassen? Wie komme ich in Kontakt mit meinen Ressourcen in Zeiten von Überforderung? Was raubt mir Energie und was nährt mich? Besonders wichtig ist Shiatsu - aber auch Cranio! - nach traumatischen vorangegangenen Geburtserlebnissen oder einem Kaiserschnitt, wenn es schwierige Erfahrungen gab und die Geburt diesmal ganz ungestört verlaufen soll. Jede Frau wünscht sich ein schönes Geburtserlebnis, und darauf konzentrieren wir uns und schaffen die Voraussetzungen dafür.

Es finden ganz individuelle Themen in der Shiatsu oder Cranio-Behandlung Raum. Von körperlichen bis emotionalen Themen bekommt hier alles seinen Platz, wird gesehen, werden Lösungen und Wege spürbar gemacht."

Was ist für dich das Besondere an der Arbeit mit schwangeren Frauen im Vergleich zum Praktizieren von Shiatsu an anderen KlientInnen?

"Wenn ich mit Schwangeren arbeite, habe ich es mit zwei Menschenseelen zu tun. Ich habe große Ehrfurcht vor der Fähigkeit einer Frau, Leben in ihrem Inneren entstehen und wachsen zu lassen. Oft ist das Baby schon sehr früh in der Schwangerschaft als Persönlichkeit spürbar. Das begeistert mich sehr! Die Schwangerschaft ist eine ganz besondere Zeit im Leben einer Frau! Eine wunderschöne Arbeit, Mutter und Kind durch ihre gemeinsame erste Zeit zu begleiten!"

Kann Shiatsu vor der Geburt hilfreich sein, z. B. in Form von Unterstützung, dass der Geburts-Termin eingehalten werden kann?

"Nach meiner Erfahrung kommen die Babys zu dem Zeitpunkt, zu dem sie bereit sind. Sie senden dann einen bestimmten Botenstoff aus und der Körper der Mutter reagiert darauf. Unsere Arbeit zielt darauf hin, den Körper u.a. in seiner Flexibilität auf die Geburt vorzubereiten. Die Verbindungen im Becken, die weich und nachgiebig werden sollen, stehen hier im Vordergrund. Besonders wichtig ist die tiefe Verbindung zwischen Mutter und Kind, damit das Vertrauen in den Körper und natürlichen Geburtsprozess gestärkt ist und die Frauen mit einem guten Körpergefühl und Körperwissen ihre Geburt zusammen mit dem Kind meistern. Es geht darum, die besten Voraussetzungen im Vorfeld zu schaffen: Allen Ängsten und Sorgen Raum zu geben und Lösungen zu finden, damit diese sich nicht blockierend auf die Geburt auswirken. Gemeinsam erspüren wir alle Kräfte und Ressourcen - energetische, emotionale und körperliche."

Und wie sieht es im Bereich Cranio-Sacrale Körperarbeit aus? Was sind da die häufigsten Anliegen, mit denen Mütter ihr Baby oder ihre Kinder zu dir in die Praxis bringen?

"Nach der Geburt schauen wir zuerst, wie alle Beteiligten - und damit meine ich nicht nur das Baby, sondern auch Mutter und Vater - die Geburt erlebt und verarbeitet haben. Was das Baby betrifft, so achte ich auf die Dinge, die vielleicht schwierig waren und nicht ganz vom System bewältigt werden konnten. Grundsätzlich sind Babys gut auf ihre Geburt vorbereitet und können auch die schwierigen Phasen gut durchstehen. Alles, was aber zu schnell, zu laut, zu invasiv oder auch zu beengend erlebt wurde und das System des Babys überwältigt hat, kann jedoch zu einem Problem für das Kind werden. Dann schaue ich, was es da braucht. Das Wichtigste nach der Geburt ist die Verbindung zur Mutter, zum Vater. Berührung, Stimme, erste Blicke. Sollte es unachtsame Berührung gegeben haben, ersetzen wir diese durch positive Berührungserfahrung. So kann sich das Nervensystem des Babys wieder entspannen. Ein weiteres Thema: Klappt es mit dem Stillen? Manchmal werden die sehr flexiblen Knochen des Köpfchens durch den Druck beim Durchtreten durch das Becken der Mutter komprimiert. Es gibt dann Bereiche, die sanft befreit werden müssen, sollte das Baby z.B. Probleme beim Saugen haben. Manchmal erlebe ich auch, dass Babys den Übergang in die Welt außerhalb des schützenden Mutterbauches noch nicht ganz abgeschlossen haben, noch nicht 'ganz da' sind. Cranio hilft Ihnen, anzukommen. Alle schwierigen Erlebnisse bekommen bei der Behandlung Raum und können verarbeitet oder gelöst werden. Besonders wichtig ist es, sich dem ganzen Feld der kleinen Familie zu widmen. Was braucht die Mutter noch nach der Geburt, wie hat der Vater die Geburt erlebt? Auch die Väter sind für das Baby wichtig! Wenn es im ganzen Familiensystem ruhig ist, auf alle unverarbeiteten Bereiche geschaut wurde, wird ein Baby ganz entspannt seine ersten Wochen erleben. Ich arbeite bei Neugeborenen hauptsächlich mit Cranio Techniken. Wenn später Probleme mit zum Beispiel Verdauung und Blähungen dazukommen, mische ich die Meridianarbeit dazu, weil sie effektiv ist."

Wie gehst du mit Unruhezuständen von Babys während der Cranio-Sacral Behandlung um? Wie behandelt man z. B. auch ältere Babys? Die liegen ja meistens nicht sehr lange still...

"Nein, das wäre auch äußerst komisch. Kein Kleinkind legt sich mal eine Stunde hin und lässt sich Cranio geben. Die sind unterwegs. Und ich mit ihnen! Zuallererst nehme ich den Müttern den Stress. Denn das Kind darf ALLES! Es muss nicht ruhig liegen, es darf gestillt werden, die Mama kann das Kind bei sich liegen haben oder es sitzt auf dem Schoss. Wenn die Mutter sich erst einmal entspannt hat, ist meist auch das Kind entspannt. Ich gebe den Kindern genügend Zeit, Vertrauen zu mir aufzubauen. Erst dann berühre ich sie. Dazu braucht es eine Art stillschweigende Übereinstimmung bei kleineren Babys, Kleinkinder bitte ich um Erlaubnis, sie berühren zu dürfen. Kinderbehandlungen sind so individuell wie die Kinder selber. Und oft wird es dann sehr "Freestyle", wie ich es nenne. Dann kommt es schon mal vor, dass wir durch den ganzen Raum krabbeln und wir unseren ersten tiefen Kontakt unter dem großen Blumenstock in der Ecke finden. Das ist mit Kindern ganz natürlich."

Gibt es Überschneidungspunkte zwischen den beiden Techniken? Kann man die beiden Bereiche überhaupt trennen?

"Im Grunde basieren beide Techniken auf Berührung und dem Kontakt zum körpereigenen Energie - und Schwingungssystem. Shiatsu ist etwas konkreter. Der Körper wird durch die gleichmäßige Abfolge von Berührung aktiv angesprochen. Gut, um sich selbst zu spüren! Und natürlich wird hier mit Meridianfunktionen gearbeitet. Cranio ist wie Fliegen... Viel feiner, leichter, - aber genauso tief. Für Babys und Kleinkinder besonders geeignet, weil sie ohnehin so fein und unmittelbar reagieren."

Kommen auch (zukünftige) Väter zu dir in die Praxis? Welche Anliegen haben diese meistens? Und welche Unterstützung kannst du ihnen anbieten?

"In der Schwangerschaft gibt es einen Shiatsu- Termin, zu dem ich beide - Mama und Papa - einlade. Es gibt wunderbare einfache Shiatsu-Techniken und Akupunkturpunkte, die die Väter während der Geburt anwenden können. Damit bekommen sie einen kleinen Shiatsu-"Werkzeugkoffer" für die Geburt mit, und sie können ihre Partnerin damit gut unterstützen. Ich erlebe immer wieder, dass sich die Väter genauso gut vorbereiten und auch um die verschiedenen Phasen während der Geburt wissen. Mit den einfachen Techniken können sie in jeder Phase hilfreich sein. Sei es, dass sie den Rücken ausstreichen, sich ans Kreuzbein lehnen, oder bestimmte Punkte halten. Sie sind froh, aktiv etwas tun zu können für ihre Partnerinnen!"

Du hast ja auch schon Projekte und Workshops in Schulen gemacht. Welche waren das und was konnten die Kinder von ihrer Shiatsu-Erfahrung mitnehmen?

"Ich bin zweimal im Jahr an Schulen und zeige den Kindern Shiatsu. Das gemeinsame aneinander arbeiten fördert den gegenseitigen Respekt, ein Gefühl für den Anderen. Shiatsu wirkt total entspannend auf Kinder! Eine quirlige Klasse wird währenddessen so friedlich, da hörst du eine Stecknadel fallen. Ich glaube, dass es sich auf den gegenseitigen achtsamen Umgang miteinander in einer Klasse positiv auswirkt. Dazu machen wir auch Meridian-Körperübungen zum Munterwerden oder zum schnellen Entspannen. Shiatsu fördert die Konzentrations-Fähigkeit bei Kindern. Sie sind danach in einem besseren Kontakt zu sich selbst und in der Klasse natürlich auch zu den anderen."

Was hat dich 1999 dazu bewogen Shiatsu-Prakterin zu werden? Was war später die Motivation um diese Ausbildung durch ein Dipolm in Visionärer Craniosacraler Arbeit zu ergänzen? Wie lange gibt es die Praxis in Schrems schon?

"Ich hatte selbst eine Shiatsubehandlung bekommen und war so begeistert und vor Allem neugierig, was es alles bewirken kann. Deswegen habe ich begonnen, Shiatsu zu lernen. Die Visionäre Cranio-Sacrale Arbeit schien mir die perfekte Ergänzung und Bereicherung zu sein. Du triffst automatisch auf diese Bewegungen Rhythmen, wenn Du Körperarbeit machst und Menschen tief berührst. Meine Praxis gibt es seit 2004. Und ich habe vor, nicht vor 90 in Pension zu gehen. Meine Arbeit ist zu schön, um früher die Hände in den Schoß zu legen."

Was möchtest du schwangeren Frauen oder zukünftigen Eltern als Rat oder Motivation mitgeben für schwierige Situationen, in denen sie sich überfordert fühlen?

"Immer auf das eigene Bauchgefühl hören. In allem und jedem. Der Bauch und das Herz kennen immer den richtigen Weg."

Danke für das tolle Interview an
stp-baby Redakteurin Rubina und Elisabeth "Sisi" Fida!

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