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stp-baby Redaktion
3. July 2018

SELBSTBESTIMMTE GEBURT IN EINEM GESCHÜTZTEN RAHMEN

Hebamme Laila Semmler-Zakeri von Das Presshaus im stp-baby Interview

Das Presshaus in 2126 Ladendorf (Bezirk Mistelbach) ist eine Hebammen-Praxis mit Wochenbett im niederösterreichischen Weinviertel. Das Presshaus im soll gebärenden Frauen eine Alternative zur Spitals- aber auch zur Haus-Geburt bieten, die aber dennoch im geschützten Rahmen stattfinden soll. Wichtig ist dem Team, das seit September 2017 aus vier Hebammen besteht, Frauen eine selbstbestimmte und auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmte Geburt zu ermöglichen. Das Neugeborene soll in einem familiären Umfeld das Licht der Welt erblicken, während sich die (zukünftige) Mutter dennoch sicher und geborgen fühlt. Die Hebammenpraxis umfasst zwei Wochenbett-Zimmer, für Frauen, die nach der Geburt ihres Babys noch etwas länger im Presshaus bleiben wollen.
Man kann das Presshaus mit einem Geburts-Haus vergleichen, allerdings ist die Bezeichnung Geburtshaus in Österreich nur erlaubt, wenn ein Arzt die Leitung innehat.

Außer Geburts-Vorbereitung für Frauen und Paare, sowie der Entbindung selbst, bietet das Presshaus-Team Nachbetreuung, Stillberatung, ärztliche Visite, Stillberatung, Aufnahme ins Wochenbett bei Stillproblemen an. Auch dürfen sich werdende Eltern auf eine Vielzahl von Kursen freuen, die man zusätzlich besuchen kann (Schwangeren-Treffen, Hypnobirthing, PreKanga, Rückbildungs-Gymnastik, Baby-Massage).

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Liebes Team von das Presshaus! Sehr geehrte Frau Semmler-Zakeri! Vielen Dank, dass sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Sie haben da ja ein spannendes Angebot für (werdende) Mütter aufgebaut, das wir unseren LeserInnen heute genauer vorstellen wollen.
Was führte bei Ihnen und Ihren KollegInnen zu dem Entschluss, sich zusammenzutun und das Presshaus zu gründen?

Unabhängig von einander hatten wir alle den Wunsch schon in der Ausbildung ein eigenes Geburtshaus zu haben. Wir wollen Frauen eine Möglichkeit zwischen zu Hause und Krankenhaus bieten. Wir würden uns wünschen, dass es in Österreich mehr solche Institutionen gibt. Leider wird es überhaupt nicht gefördert vom Staat und die Kosten für die Errichtung von Hebammenpraxen tragen die Hebammen selbst.

Worin sehen Sie die Vorteile für werdende Mütter zum Gebären in ein Geburtshaus zu kommen, im Vergleich zu einer Klinik-Entbindung, aber auch zu einer Haus-Geburt?

Wir bieten den Frauen einen vertrauten geschützten Rahmen, 1:1 Betreuung, Frauen bekommen die Zeit die sie brauchen, keine Routineabläufe und Systembefriedigungen, mehr persönliche Wünsche können berücksichtigt werden. Geschwisterkinder können dabei sein, aber auch mehrere Begleitpersonen. Frauen können sich aussuchen wer dabei sein darf. Zur Hausgeburt: Es gibt bei uns immer eine 2. Hebamme vor Ort, mehr medizinisches Equipment, mehr Ruhe falls noch Geschwisterkinder vorhanden sind oder bei beengten Wohnverhältnissen. 

Auf Ihrer Webseite nennen Sie ja einige gesundheitliche Voraussetzungen rund um die Schwangerschaft, die erfüllt sein müssen, um in einem Geburtshaus entbinden zu können. Wann ist eine Spitals-Geburt zwingend? Und warum?

Eine normale Geburt ist Fachgebiet einer Hebamme, bei auftretenden Komplikationen haben wir die Beiziehungspflicht eines Arztes - siehe Hebammengesetz außerklinische Geburtshilfe. Bei uns dürfen nur gesunde Frauen mit einer normal verlaufenden Schwangerschaft und gesundem Kind entbinden, d. h. Ausschlusskriterien sind: Zwillinge(Mehrlinge), Steißlage, Terminüberschreitung ab 14 Tage, insulinpflichtiger Gestationsdiabetes, hoher Blutdruck der mit Medikamenten eingestellt wird. In solchen Fällen muss ein Arzt bei der Geburt vor Ort sein, weil medizinische Eingriffe notwendiger und wahrscheinlicher sind.

Sie haben ja ein sehr breit gefächertes Betreuungs-Angebot, bzw. kann man ja auch verschiedenste Kurse besuchen, die schwangere Frauen betreffen, aber auch Mütter in der Rückbildungsphase. Welche Angebote werden da von ihren Kundinnen besonders häufig in Anspruch genommen?

Mutterkindpass-Hebammen-Gespräch, Geburtsvorbereitung, Rückbildung, Kangatraining, aber auch Hypnobirthing und unsere Stillgruppe.

Wie läuft eine „typische“ Betreuung einer Frau ab, die zu Ihnen ins Presshaus kommt? Natürlich ist jede Schwangerschaft und Geburt einzigartig. Aber was sind so Stationen, die jede Frau durchläuft, z. B. Erstgespräch, Beratungstermine, Untersuchungen, etc.?

Ganz unterschiedlich melden sich die Frauen bei uns an, manche schon sehr früh, sobald sie einen positiven Test haben. Manche kommen zu unserem Infoabend, andere melden sich erst Hebammengespräch in der 18.-22. Schwangerschaftswoche. Manche kommen erst im Laufe der Schwangerschaft auf unser Angebot der "Geburt im Presshaus" zurück. Dann besuchen Sie den Geburtsvorbereitungskurs, haben individuelle Gespräche in der Schwangerschaft mit ihrer Hebamme, je nach Bedarf. In der 38. Schwangerschaftswoche wird eine Kontrolle mit Herztonüberwachung gemacht, eine weitere folgt am errechnetem Geburtstermin und dann setzen wir die Herztonüberwachungen engmaschig bis zur Geburt fort. Man ist eigentlich mit der Frau in Kontakt so oft sie es braucht.

Sie bieten ja auch Hypnobirthing-Kurse an. Wie würden Sie Hypnobirthing für werdende Eltern beschreiben, die mit dem Begriff noch nicht vertraut sind. Um warum lohnt es sich, so einen Kurs vor der Geburt zu besuchen?

Hypnobirthing ist eine tolle Vorbereitung zur Geburt, Frauen bekommen wieder mehr Vertrauen in ihren Körper, Selbstvertrauen, die Macht der Gedanken bei der Geburt spielt eine wichtige Rolle. Hypnobirhting hilft den Absolventinnen der Kurse während der Geburt loszulassen und angstfreier in die Geburt zu gehen.

Die Wehen setzen bei einer ihrer PatientInnen ein. Was passiert nun? Wann soll die Gebärende Sie kontaktieren? Wie ist hier der Unterschied bei der Abklärung bzw. der Aufnahme in das Presshaus zur Entbindung im Vergleich zu einer Spitals-Geburt? Was passiert nach der Entbindung? Wann gehen die Frauen in der Regel nach Hause?

Wir sind mit unseren Frauen immer telefonisch im Kontakt, d.h. Frau informiert uns über jegliche Unsicherheit zu jeder Tages- und Nachtzeit, dann entscheiden wir gemeinsam wann sie kommen soll/ will. Es gibt kein zu früh - wenn es noch nicht soweit sein sollte kann Frau ja wieder nach Hause fahren - wie sie sich am wohlsten fühlt. Bei uns gibt es keine Routine-Eingriffe, wie Venflon, Dauer-CTG´s, oder ein Liegen-Müssen bis zur Geburt. Wenn sie dann entbunden hat bleibt sie mindestens 3 Stunden im Presshaus. In dieser Zeit steht Geborgenheit im Zentrum des Geschehens: 1. Das Anlegen des Babys an die Brust der Mutter. Mutter und Kind werden nicht mehr getrennt. Die meisten Frauen verlassen das Presshaus in einem Zeitraum zwischen 3 Stunden und 2 Tagen. Die Entscheidung liegt bei der Frau/ den Eltern. Eine Möglichkeit für eine längere Verweildauer ist jederzeit gegeben. Wenn sie dann zu Hause ist wird sie weiter von uns zu Hause nachbetreut.

Als junge Mama kann man sich ja auch mit Still-Problemen vertrauensvoll an sie wenden und sogar ins Wochenbett aufgenommen werden. Wie kann man sich so eine Aufnahme ins Wochenbett vorstellen?

Frau meldet sich bei uns und je nach Bedarf und Wunsch der Frau, wird über eine Aufnahme im Presshaus entschieden. (Kosten 100.-/Tag)

Sie arbeiten ja auch mit Kinder-Ärztinnen zusammen, die bei Bedarf auf Privatleistung eine ärztliche Visite beim Neugeborenen vornehmen. War es da leicht oder schwierig jemanden zu finden? Wie offen sind ÄrztInnen in der Regel für die Zusammenarbeit mit einem alternativen Umfeld, wo Geburt außerhalb von Spitals-Kliniken stattfindet?

Die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kinderärzten und Gynäkologen ist eher schwierig, wir haben 2 erfahrene Ärztinnen, die sehr offen sind für die außerklinische Geburtshilfe. 

Welche Angebote können (werdende) Mütter bzw. Eltern auf Kosten der Krankenkasse in Anspruch nehmen und was muss privat bezahlt werden?

Die Kosten für die Geburt 1200.- sind Privatleistung für die Eltern, wir behalten uns den Kassentarif noch zusätzlich für Betriebs- und Hebammenkosten. Wenn man eine Zusatz-Krankenversicherung hat, bekommt man einiges retour. Die Geburtsvorbereitung ist in der Geburtspauschale inkludiert. Die Nachbetreuung verrechnen wir direkt mit der Krankenkasse. Ein Hypnobirthing Kurs muss von der schwangeren Frau selbst gezahlt werden, aber auch Kurse wie Babymassage, Rückbildungskurse und Kangatraining.

Danke für das Interview an
stp-baby Redakteurin Rubina und Laila Semmler-Zakeri!

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Elisabeth Fida ist Dipl. Shiatsu-Praktikerin und Therapeutin für Visionäre Cranio Sacrale.
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