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stp-baby Redaktion
31. March 2018

ELTERN-BABY-THERAPIE: ENGELSKREIS STATT TEUFELSKREIS

Die niederösterreichische Psychotherapeutin Natascha Schuster im Interview

Natascha Schuster - selbst Mutter von zwei Töchtern - ist seit 2014 als Psychotherapeutin mit eigener Praxis tätig. Seit Sommer 2017 widmet sie sich in ihrer zweiten Praxis in 3922 Großschönau verstärkt Familien und Kindern. Zu ihren Spezial-Gebieten zählt u.a. die Eltern-Baby-Therapie. Wir baten die Therapeutin und Pädagogin zum aufschlussreichen Interview: Wie funktioniert eine Therapie-Sitzung mit einem Säugling? Für wen eignet sich das Angebot? Und was bringt es Eltern und Kindern? Die Antworten auf diese und weitere Fragen findet ihr im Folgenden. Alle Kontakt-Daten und viele weitere Infos rund um das Praxis-Angebot von Natascha Schuster findet ihr übrigens in unserer stp-baby Datenbank!

Für welche Familien eignet sich die Eltern-Baby-Therapie?

"Obwohl Eltern von Natur aus auf die Pflege und Versorgung eines Säuglings vorbereitet sind, kann es trotzdem sein, dass es zwischen Eltern und Kind nicht so ganz 'passt'. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es kann sein, dass das Kind in seinen Bedürfnissen 'schwer zu lesen' ist, sehr viel schreit, sich nicht stillen oder füttern lässt oder zu wenig schläft. Es kann auch sein, dass sich die Eltern aus verschiedensten Gründen wie eigenen schwierigen Erfahrungen als Kind, aktueller Belastung, Krankheit oder Behinderung ihres Kindes etc. überfordert fühlen und die Beziehung zu ihrem Kind darunter leidet. Im Sinne eines 'Teufelskreises' beeinträchtigt das wiederum die Beziehung zu ihrem Kind - und das Kind reagiert z.B. mit Schreien, Klammern, später eventuell mit Angststörungen. Diese Folge-Probleme bzw. 'Teufelskreise' möglichst früh zu verhindern und 'Engelskreise' - also sichere Bindung, Freude am Kind, gute Entwicklungsmöglichkeiten - zu fördern, ist das Ziel der Eltern-Baby-Therapie. Basis dafür ist eine sichere Bindung zwischen Eltern und ihrem Kind. Eine sichere Bindung entsteht vor allem dann, wenn die Eltern die kindlichen Bedürfnisse richtig deuten, auf sie sofort bzw. mit zunehmendem Alter des Kindes möglichst zeitnah reagieren, wenn diese Reaktion angemessen ist - und wenn sie das Zusammensein mit ihrem Kind genießen und mit ihm zusammen Spaß haben."

Wie sieht eine Sitzung der Eltern-Baby-Therapie aus?

"Ich gehe mit den Eltern zusammen einerseits auf die Suche nach den Ursachen für die Probleme und versuche sie andererseits in ihren natürlichen elterlichen Kompetenzen zu stärken. Die Therapie ersetzt natürlich nie eine Abklärung durch einen Kinderarzt, da Schrei-, Schlaf- und Fütterungsprobleme auch organische Ursachen haben können. In den Sitzungen versuche ich vor allem, mich in Eltern und Kind einzufühlen und durch Zuhören und Nachfragen das Problem zu verstehen. Unbedingte Wertschätzung, Akzeptanz und auch Humor sind für mich dabei die Grundlagen."

Inwieweit kann ein Baby bereits therapeutisch „mitarbeiten“?

"Das Baby kann in den Sitzungen nicht aktiv mitarbeiten. Es zeigt jedoch durch sein Befinden und seine Reaktionen alles, was es braucht. Ich kann in der Stunde beispielsweise der Mutter helfen, ihr Kind zu 'lesen' und mit ihr besprechen, was sie jetzt tun könnte, was sie zu Hause tut, wie ihr Kind dann reagiert ... Sollte das Kind schlafen, ist das auch kein Problem, dann spreche ich nur mit der Mutter und wir verschieben – wenn überhaupt bzw. noch notwendig -  das Beobachten des Babys auf das nächste Mal."

Wird die Eltern-Baby-Therapie gut angenommen? Blicken Sie bereits auf Erfolgserlebnisse zurück?

"Sehr gut angenommen wird diese Therapie noch nicht. Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass dieses Angebot so verstanden wird, dass 'jetzt schon Babys therapiert' werden. Ich konnte jedoch schon einige Eltern unterstützen, wobei mir auch meine Ausbildung zur PEKiP-Gruppenleiterin und natürlich auch meine eigene Erfahrung als Mutter Ressourcen sind. Meine Angebote der Familien-Therapie oder auch Erziehungsberatung aber werden bereits sehr gut angenommen."

Sie arbeiten in einem hochsensiblen Feld mit Menschen jeden Alters - und haben selbst Familie. Wie grenzen Sie sich ab und wo schöpfen Sie selbst Kraft?

"Meine Arbeit macht mir große Freude und ich muss mir nie die Frage stellen, wie ich mich abgrenze. Kraft schöpfe ich in meiner Familie und in der Natur."

Wo liegt Ihre Motivation zur therapeutischen Arbeit?

"Meine Motivation ist mein Interesse an Menschen jedes Alters, die Liebe zu Kindern und mein Wunsch, dass sie eine möglichst gute, liebevolle Kindheit erleben dürfen."

Mit welchen Worten möchten Sie Menschen, die gerne mit ihrem Kind zu Ihnen kommen möchten, aber Angst vor gesellschaftlicher Stigmatisierung haben, diese Angst nehmen?

"Ich würde gar nicht verstehen, warum es eine gesellschaftliche Stigmatisierung geben soll, weil man sich Unterstützung holt bzw. versucht, ein Problem zu lösen. Und ganz praktisch gesehen: Ich habe als Psychotherapeutin absolute Schweigepflicht, die natürlich auch für die Eltern- und Erziehungsberatung sowie die Eltern-Baby-Therapie gilt."

(Vielen Dank für das Interview an Natascha Schuster, M.A. M.A.!)

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Elisabeth Fida ist Dipl. Shiatsu-Praktikerin und Therapeutin für Visionäre Cranio Sacrale.