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stp-baby Redaktion
21. September 2019

JENSEITS VON AFRIKA: SINGLE MOM IN SANKT PÖLTEN

Echte Löwenmutter: Mama Simone aus St. Pölten im Eltern-Interview

Simone lebt mit ihrer kleinen Tochter Kathalea als alleinerziehende Mutter in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. Der gemeinsame Start war ab dem positiven Schwangerschaftstest mehr als abenteuerlich. Und das Leben zu zweit gestaltet sich so wunderschön wie herausfordernd. Wie Simone und Kathalea das alles schaukeln, lest ihr im neuen stp-baby Eltern-Interview.

Liebe Simone, deine Tochter wurde vor kurzem ein Jahr alt. Eure Geschichte ist ganz und gar nicht 08/15. Bitte erzähl selbst, wie alles begonnen hat.

Ich habe 2017 für drei Monate in Kenia gearbeitet - als Deutschlehrerin für eine Schule, die die Mutter einer Freundin gegründet hat. Als Volunteer habe ich intensiv mit den Kindern gearbeitet und die Zeit sehr genossen. Um ehrlich zu sein: Ich wollte gar nicht so gern wieder nach Hause. In dem Hotel, wo ich die letzten Tage vor meiner Abreise verbracht habe, habe ich Kathaleas Vater kennengelernt, am 1. Dezember war ich zurück in meinem Heimatort St. Pölten.

Und wann wusstest du, dass euer Kennenlernen schöne Folgen hatte?

Drei Tage vor Weihnachten hatte ich die Bestätigung am Schwangerschaftstest. Danach habe ich es zuerst meinen Eltern erzählt. Dem Vater habe ich es erst nach Weihnachten gesagt - über Facebook, wo wir Kontakt gehalten hatten.

Was waren deine ersten Gedanken bezüglich deiner Schwangerschaft?

Für mich war alles von Anfang an ganz klar. Es gab da niemals auch nur einen kleinen Zweifel, was mein Kind betraf. Außerdem, wie soll ich es sagen? Also. Ich habe mir quasi schon immer gedacht, dass ich, falls ich mal ein Kind hätte, sicher alleinerziehend wäre. Ich weiß nicht, das hatte ich als Gedanken immer in mir.

Wie ist der Kontakt zu Kathaleas Vater?

Wir haben eigentlich nur über Facebook Kontakt. Ein paar wenige Male gab es ein Skype-Telefonat. Natürlich ist er begeistert, aber er ist und bleibt in Kenia - und wir hatten ja nie eine Beziehung in dem Sinne. Er liebt Kathalea sicher sehr, schon allein von der afrikanischen Mentalität her: Kinder sind das Allerwichtigste und Wertvollste. Wir erhalten zwar keine finanzielle Unterstützung von ihm, aber hier ist sehr wichtig herauszustreichen, dass, selbst, wenn es ihm möglich wäre, er uns gar nicht wirklich unterstützen könnte. Der Grund ist, dass ja die kenianischen Schilling mit unserem Euro und unserem Lebensstandard gar nicht mitkommen. Sogar, wenn er die Hälfte seines Gehalts geben würde, könnte man damit hier nicht weit laufen. Wenn er wüsste, dass wir z.B. akut in Not wären, würde er einiges in Bewegung setzen, um trotzdem zu helfen, das weiß ich. Aber da dies nicht der Fall ist, versuche ich es ohne seine Hilfe zu schaffen - und mit meinen irrsinnig tollen Eltern im Hintergrund klappt das auch ganz gut.

Wie kriegst du das also alles hin?

Ich erhalte die Mindestunterstützung, die in Österreich vorgesehen ist. Dazu habe ich natürlich meine großartige Familie hinter mir - und ein gutes Netzwerk aus Freunden. Eine Herausforderung war es, eine eigene Wohnung zu finden. Die ersten Monate habe ich mit Kathalea im Haus meiner Eltern gelebt. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich in St. Pölten etwas Eigenes, Passendes gefunden habe, das ich mir leisten kann und wo ich z.B. auch den Kinderwagen stehen lassen kann etc. Wenn Geld sehr wohl eine Rolle spielt, ist so eine Wohnungssuche kein Zuckerschlecken. Aber wir haben es geschafft - und eingerichtet habe ich das meiste mit Gebrauchtem und Geschenktem.

Kannst du denn dein Mamasein genießen, Simone?

Absolut! Natürlich ist es schwierig für mich, nie für mich sein zu können, immer die Verantwortung zu tragen, und der Schlafentzug ist massiv. Dazu schließe ich ja gerade noch mein Studium ab. Ich war immer gern für mich, bin rumgehockt, habe gern Musik gehört, war auf Festivals oder hab es sehr genossen, einfach nur zu schreiben. Ich bin ganz ehrlich: Ich hab es geliebt, allein zu sein, mal eine Zigarette zu rauchen und einfach nur kreativ zu sein. Sicher ist das eine totale Umstellung - rundum, ohne Kompromisse. Aber mir war ab dem Moment, wo ich wusste, dass ich schwanger bin, ganz klar, dass es das jetzt ist: Dass ich Mutter werde und mein ganzes Leben anpassen werde. Da gab es nie eine innere Diskussion für mich.

Möchtest du denn gern nach Kenia, z.B. um deine ehemaligen Schüler*innen zu besuchen und vor allem: um Kathaleas Vater wiederzusehen?

Unbedingt! Aber mein erster Plan, zeitnah eine Zeitlang nach Kenia zurückzugehen und Kathalea dort ein Jahr Kindergarten zu ermöglichen, ist an einer neuen Regelung 2018 gescheitert: Seitdem ist der Kindergarten bzw. die Vorschule in Kenia erst ab 4 Jahren möglich. Der neue Plan ist, dass wir nach Möglichkeit Ende 2020 zurückgehen.

Simone, ich hab so einen Riesenrespekt vor dir. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, ein kleines Baby völlig ohne Partner an der Seite aufzuziehen.

Wie gesagt, natürlich ist es nicht einfach, alles alleine zu tun, zu entscheiden, zu organisieren. Und wenn es mal Nächte gibt, wo kaum eine Stunde Schlaf am Stück möglich ist, kommen einem natürlich schon mal die Tränen. Ich weiß von Freundinnen und Bekannten, die zu zweit sind, dass es auch oft so ist, dass die Frau mehr macht in der Kindererziehung, sprich: dass z.B. eher die Frau aufsteht in der Nacht, weil der Mann eben in der Früh aufstehen und zur Arbeit muss. Trotzdem ist es kein Vergleich, ob man als Mutter ganz allein ist - oder ob man eben einen Partner hat, der zwar vielleicht streckenweise quasi unsichtbar ist aus Arbeits- oder sonstigen Gründen, aber grundsätzlich da ist.

Kennengelernt habe ich dich ja eigentlich auf einer tollen Lesung in St. Pölten - das war vor deiner Zeit in Afrika. Schreibst du denn noch?

Dafür bleibt neben Mamasein und Studien-Abschluss keine Zeit. Aber ich teile meine Erfahrungen regelmäßig auf Instragram. Das ist auch der Grund, warum ich dir deine Bitte nach einem Interview für stp-baby sehr gerne erfülle: Ich glaube nämlich, es ist ganz wichtig, dass alleinerziehende Mütter - und natürlich auch Väter - wissen, dass sie nicht alleine sind. Wenn sich jetzt auch nur eine einzige Single Mom besser und gestärkt fühlt aufgrund meiner Geschichte, die ich hier mit euch allen teile, dann bin ich schon froh. Dann hatte es schon Sinn.

Zum Abschluss unseres Gesprächs möchte ich dich fragen, was zurzeit deine Wünsche sind?

Ganz ehrlich: Ich wünsche mir vor allem Ruhe. Ich wünsche mir weiterhin ein gutes Ankommen in unserer Wohnung, wo Kathalea und ich miteinander wachsen, viel kuscheln, viel voneinander lernen. Von wo aus wir aufbrechen zu unseren täglichen Ausflügen - u.a. mache ich Erledigungen für ältere Menschen in unserem Wohnhaus, wenn sie etwas brauchen. Und ich möchte einfach die Zeit mit meiner Tochter genießen. 30 Jahre lang hab ich absolut alles gemacht, was ich wollte - und hab nichts ausgelassen. Mir geht also jetzt sicher nichts ab. Mein Kind ist das Wichtigste für mich. Und wir meistern das.

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