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stp-baby Redaktion
14. Juli 2019

GANZ EHRLICH: AUCH MAMAS DÜRFEN MAL SCHLECHTE TAGE HABEN!

Auch offen über Negatives sprechen dürfen: Mama Sophia aus St. Pölten im Eltern-Interview

Sophia (28) lebt mit ihrem Freund in der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten. Ihr gemeinsames Söhnchen Sebastian ist 9 Monate alt - und zeigt seinen Eltern ganz neue Sonnenseiten im Leben auf. Gerne beantwortet die sympathisch ehrliche Mutter im Interview mit stp-baby unsere Fragen - und zeigt auf, dass es der Mutterliebe keinen Abbruch tut, auch über Schattenseiten an Schwangerschaft, Geburt und Mama-Sein zu sprechen.

Sophia, du bist in deinem Umfeld als „ehrliche Mama“ bekannt, weil du bereits in der Schwangerschaft auch offen über die nicht so tollen Dinge gesprochen hast. Was sind denn deiner Erfahrung nach mögliche Schattenseiten als Mama?

"Ich persönlich empfand die ganzen 'negativen' Erfahrungen während der Schwangerschaft als Schattenseiten. Man liest vielleicht mal darüber - aber meistens geht es nur darum, wie wundervoll alles während der Schwangerschaft ist, wie schön man aussieht mit reiner Haut und vielen Haaren - abgesehen von der Morgenübelkeit. Über die Schmerzen von Übungswehen, die sich durch die ganze Schwangerschaft ziehen können oder wenn sich die Symphyse dehnt, liest man selten. Es wird auch nicht viel darüber gesprochen. Ich wollte mein ganzes Leben lang Mama sein und habe mich so gefreut als ich schwanger war - nur haben wir dann während der 38 Wochen Schwangerschaft so ziemlich alles durchgemacht, was man durchmachen kann, vor allem im negativen Sinne. Ich weiß noch, dass ich mich einfach sehr 'falsch informiert' gefühlt habe. Diese 'wunderschöne' Schwangerschaft, von der man überall hört und liest, habe ich nicht erlebt. Ich sah zwar laut Freunden und Familie gut aus - reine Haut, dichteres Haar und wunderschön geformter Babybauch - aber wollte nur, dass es bald vorbei geht. Und diese Erfahrungen habe ich auch offen kundgetan."

Das tut mir total leid zu hören - wobei ich ganz bei dir bin. Mit welchen Komplikationen musstet ihr in der Schwangerschaft zurechtkommen?

"Zu den Schattenseiten der Geburt kann ich sagen, dass ich ein Baby in Beckenendlage hatte. Unsere Gynäkologin und auch einige Ärzte im Krankenhaus waren ab der 30. Woche der Meinung, dass es auch dabei bleiben wird - andere meinten wiederum, es gäbe noch 'genug Zeit zum Drehen'. Für mich war die Situation furchtbar - da ich mich auf nichts einstellen konnte und auf beide Varianten einer Geburt vorbereiten 'musste'. Nachdem die Lage schließlich unverändert blieb und unser Kleiner seinen Kopf unter meinen Rippen ließ, bekamen wir einen Termin für einen Kaiserschnitt. Auch bei dem Termin sollte es aber nicht bleiben, da ich sehr rasant Probleme mit Preeklampsie bekam - und beschlossen wurde, dass er früher geholt wird. Zehn Tage nach der Geburt bekam ich eine starke Blutung und musste notoperiert werden, Grund dafür waren Plazenta-Reste. Ich glaube, das reicht als Erzählung meiner erlebten Schattenseiten rund um die Geburt. "

Und wie ging es dir nach der Geburt, Sophia?

"Zu den Schattenseiten in den ersten Monaten als Mama hab ich Gott sei Dank nicht viel zu erzählen. Nach dieser für mich negativen Zeit kam dann nämlich endlich die Sonne wieder raus. Natürlich haben wir Koliken und schlechte Tage durchgemacht, aber die empfand ich als nicht so schlimm. Man ist müde, erschöpft, hat null Energie, aber das habe ich auch so erwartet. Ich muss auch sagen, dass ich einen super Partner habe, der einen Monat zu Hause war - und der das alles mit mir gemeinsam erlebt hat, und der mich schlafen ließ und lässt, wo er nur konnte und immer noch kann. Ich habe in den ersten Monaten mit Baby mehr - vor allem am Stück - geschlafen als in der Schwangerschaft. Noch dazu hatten wir eine super Hebamme, die sich sehr gekümmert hat und die ich jederzeit mit Fragen löchern konnte.

Ich glaube, für mich sind die wirklichen 'Schattenseiten' einfach diese ganzen 'Ungewissheiten' bzw. jene Dinge, über die nie jemand sprechen will. Nachdem wir nach der Geburt sehr gute Unterstützung hatten, war es definitiv nicht mehr so schlimm wie davor. Und dass es depressiv machen kann, wenn man von anderen Eltern in den sozialen Netzwerken nur liest wie wunderschön das Eltern-Dasein und wie perfekt das Kind nicht ist, muss ich, glaub ich, wohl niemandem erklären, es ist auch wissenschaftlich bewiesen. Das ist für mich auch der eigentliche Grund, um auch den Schattenseiten mal Laut zu schenken: Man muss nicht immer alles schön reden."

Und jetzt kommen wir zu den absoluten Sonnenseiten - wo siehst und erlebst du diese als Mutter?

"Die Sonnenseiten sind jene Dinge, welche diese ganzen negativen Ereignisse wett machen und warum man ja auch von den möglichen Schattenseiten relativ wenig liest. Angefangen bei den zwei Strichen am Schwangerschaftstest, den man seinem Partner unter die Nase hält. Dann das erste Mal, wenn man das 'Gummibärli' - wie wir ihn nannten - am Ultraschall sehen und das Herz mit 170 Schlägen dahinhämmern hören kann. Der Tag, an dem man erfährt, ob man einen Sohn oder eine Tochter bekommt - und dies mit Freunden und Familie teilen kann. Die Schmetterlinge, die sich in kleine Bewegungen und dann richtig sichtbare Tritte verwandeln - und jedes Mal versucht man, ein Video davon zu machen, und sobald wir die Kamera gezückt hatten, hat Sebastian sich aber wieder schlafen gelegt. Oder die Zeiten, wo man den Schluckauf spürt - bei meinem Schatz fast täglich und dabei bis zu sieben Mal am Tag! - und einfach immer spürt und weiß: 'Da ist noch jemand.'

Und nach der Geburt geht es gleich weiter: der erste Schrei, das erste Kuscheln - was bei uns der Papa übernommen hat-, dieser Babygeruch und endlich der Tag, wenn man voller Erwartungen, Freude und Angst nach Hause darf und das Familienleben beginnen kann. Ich glaube, viel weiter brauche ich die Sonnenseiten nicht auszuführen - die kennt und liest jeder, und bis man sie selbst erlebt, weiß man sowieso nicht, wie wunderschön das alles wirklich ist."

Welche Werte und Gewohnheiten hast du als Mutter neu entwickelt?

"Ich lege mittlerweile (fast) keinen Wert mehr auf die Meinung anderer, das war eine sehr große Veränderung für mich. Diese Kritik, die man als Eltern fast tagtäglich erfährt und dieser innere Zwang, gleich immer eine Begründung für ein Verhalten - vor allem online - mitliefern zu müssen, damit andere nicht über einen richten, hat in mir eine richtige 'Ist mir egal'-Einstellung entwickelt. Dafür lege ich noch mehr Wert auf Ehrlichkeit als vorher: Wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich das und erwarte das auch von meinen Freunden und meiner Familie. Meine Geduld, auf die ich immer sehr stolz war, ist für meinen Sohn ins Unermessliche gewachsen, dafür ist sie für andere - erwachsene - Menschen gesunken, und bei denen brennt mir auch entsprechend schneller mal eine Sicherung durch und ich sage ihnen meine Meinung. Das ist auch etwas, das hätte ich früher nie getan, aber da reißt mir mittlerweile einfach der Geduldsfaden.

Eine neue Gewohnheit ist, dass ich keine fixen Zeiten mehr festlege oder Dinge durchplane, so wie ich das früher gemacht habe. Ich richte mich nach meinem kleinen Mann - er entscheidet, wie der Tag rennt und wann wir uns auf den Weg machen. Wenn ich mir was ausmache, dann nur mit einer ungefähren Zeit bzw. für eine Zeitspanne von ein paar Stunden - solange das möglich ist. Da sind meine Freunde aber auch sehr verständnisvoll, wofür ich extrem dankbar bin."

Welches war der schlimmste „Ratschlag“, den du für dein Muttersein von außen bekommen hast - und welches war der beste bisher?

"Ich glaube, es gibt keine Mama die nicht schonmal - vor allem von älteren Generationen - den Ratschlag von 'schreien lassen', 'nicht zu viel verwöhnen' oder 'am Bauch schlafen lassen' bekommen hat. Das war damals nun mal so, aber diese Dinge zählen für mich sicherlich zu den 'schlimmsten' Ratschlägen. Was mich aber noch mehr stört, ist, wenn solche selbsternannten 'Berater' dann nicht zuhören, wenn man versucht, zu erklären, warum diese Meinungen heutzutage ganz anders sind und was die Wissenschaft dazu sagt.

Den besten Ratschlag bekam ich natürlich von der frisch gebackenen Oma, meiner Mama. Sebastian hatte einen Schreitag, seinen ersten wirklich schlimmen, und ich war komplett am Ende. Ich war genervt und wütend, da nichts funktionierte, sauer auf mich selbst, weil ich 'böse' Gedanken hatte. Am liebsten hätte ich ihn im Gitterbett liegen lassen und wäre weit weg gefahren. Ich habe mich für diese Gedanken gehasst und war mir sicher, ich bin die schlimmste Mutter, die es gibt - was der Situation alles natürlich nicht geholfen hat. In einem Telefonat unter Tränen hat meine Mutter mir dann gesagt, dass jeder diese oder ähnliche Gedanken hat und es wieder zu diesen Dingen zählt, über die man 'nicht zu sprechen hat'. Ihr Ratschlag damals war, die Gedanken sein zu lassen, mir selbst zu versichern, dass sie normal sind und man - solange man diese Dinge nicht tut, versteht sich! - keineswegs eine schlechte Mama ist, sie gehören einfach dazu. Von dem Moment an hat sich auch der Tag gebessert - ich habe mich damit abgefunden, dass es dazu gehört. Und seitdem sind diese Momente, wo man mal schlecht denkt, nicht mehr so schlimm."

Wie schupft ihr das Thema „Kind und Job“ - haben dein Partner und du hier einen Plan für die kommenden Jahre, wie ihr es handhaben möchtet?

"Nachdem wir beide Jobs mit Schichtbetrieb, frühen und langen Arbeitszeiten und 12-Stunden-Arbeitstagen haben, mussten wir uns schon was überlegen. Die Großeltern sind bei uns keine Option als fixe Betreuung, aber der kleine Mann ist schon für eine Krippe angemeldet. Er kommt, wenn er 14 Monate alt ist, für drei Tage die Woche in eine Betreuungseinrichtung in St. Pölten. Das alles haben wir uns schon in der Schwangerschaft überlegt und auch finanziell schon damals Gedanken gemacht, wie es weiter gehen wird."

Wir leben ja alle in Niederösterreich. Was ist gut daran, sein Kind hier zu bekommen und aufzuziehen - und gibt es auf der anderen Seite vielleicht etwas, das du dir von „einer guten Fee“ an Verbesserung wünschen würdest?

"Nachdem ich acht Jahre im Ausland und auch in Österreich schon in drei verschiedenen Bundesländern gelebt habe, fällt mir ehrlich gesagt nichts ein, was NÖ jetzt als 'besonders guten Platz' zum Kinderbekommen und -großziehen machen würde. Ich finde, es kommt immer darauf an, was man mit dem macht was man hat, und wo man sich befindet. Aber obwohl ich sie noch nicht habe, finde ich die NÖ Card super! Ab nächstem Jahr, also wenn Sebastian auch mehr davon hat, warten super Wochenendziele und ähnliches auf uns. Ich freue mich schon darauf.

An eine gute Fee hab ich sogar einen sehr großen Wunsch: Kostengünstigere Betreuungsoptionen von Kindern in St. Pölten! Ich habe mit Mamas aus ganz Österreich gesprochen - auch aus anderen Städten in NÖ - und verstehe nicht, warum es in der Landeshauptstadt so wenig Krippen gibt und warum diese vergleichsweise so teuer sind. Andere Mütter haben mir schon berichtet, dass sie für die gleiche oder sogar mehr Betreuung - sowohl Krippe als auch später im Kindergarten - teilweise die Hälfte zahlen. Und so etwas verstehe ich nicht. Mein Freund und ich haben mit unseren Arbeitszeiten leider nicht viel Auswahl, alles andere außer einer privaten Krippe und später einem privaten Kindergarten kommt daher nicht in Frage."

Möchtest du selbst noch etwas ganz Eigenes loswerden zum Thema, das wir nicht erfragt haben, Sophia?

"Auch, wenn ich großen Wert auf Ehrlichkeit lege und meinen Freunden vor allem über Facebook auch viel über die Schattenseiten berichte, will ich definitiv niemandem Angst machen, sondern einfach nur zeigen, dass es normal ist, auch schlechte Tage und Gedanken zu haben. Nachdem der Rat meiner Mutter mir so sehr geholfen hat, hoffe ich, dass meine 'Erzählungen' der guten und vor allem auch der schlechteren Tage vielleicht auch anderen helfen kann. Es gehört alles zu diesem wunderschönen Abenteuer dazu: Nichts davon macht irgendwen zu schlechten Eltern und ich würde dieses Leben - selbst an einem schlechten Tag - niemals mehr für mein altes eintauschen wollen. Denn eines kann ich jedes Mal wieder bezeugen: Wenn Sebastian nur einmal lächelt, verwandelt er damit in einer Sekunde einen ganzen schlechten Tag wieder zu einem Guten. Ihr werdet sehen, mehr braucht es nicht."

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