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Home > ExpertInnen-Rat > Expertinnen-Interview mit Familientherapeutin, Yoga-Lehrerin und Babymassage-Kursleiterin Sonja Pöschl-Hahnl
stp-baby Redaktion
29. September 2018

WIR SIND ALLE MITEINANDER VERBUNDEN

Die niederösterreichische Psychotherapeutin Sonja Pöschl-Hahnl im stp-baby Interview

Mag. Sonja Pöschl-Hahnl - selbst Mutter von zwei Söhnen - ist als Familien- und Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie) in Waidhofen an der Thaya im niederösterreichischen Waldviertel tätig. Vor der Gründung ihrer eigenen Praxis hat sie bereits Erfahrung in verschiedenen klinischen und psychosozialen Einrichtungen gesammelt. Ihre Schwerpunkte sind Kinderwunsch, Kinder-Erziehung, Familie, Beziehung, Trennung, Ängste, Depressionen, Esstörungen, psychosomatische Beschwerden, Belastung und Erschöpfung am Arbeitsplatz uvm.  Auch können Waldviertler Eltern in ihrer Praxis die Möglichkeit wahrnehmen Babymassage- oder Schwangeren-Yoga-Kurse zu besuchen. In Sonja Pöschls Praxis wird also auf beides Wert gelegt: Auf das Wohlbefinden von Körper und Seele eines Menschen von Geburt an. Im Gespräch mit ihren KlientInnen ist Sonja Pöschl besonders wichtig, auf die persönliche Entwicklung eines Menschen einzugehen - denn jeder Mensch ist einzigartig. Sie ist davon überzeugt, dass wir alle zu persönlichem Wachstum fähig sind und zu einem erfüllten Leben finden können.Alle Kontakt-Daten und viele weitere Infos rund um die Psychotherapie-Praxis von Sonja Pöschl-Hahnl findet ihr übrigens in unserer stp-baby Datenbank!

Liebe Sonja, danke, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit stp-baby genommen haben. Die erste Frage betrifft Ihre Angebote im Bereich Psychotherapie und Familientherapie. Wie lange gibt es Ihre Praxis in Waidhofen an der Thaya schon? Und was ist systemische Familientherapie?

"Meine eigene Praxis in Waidhofen/Thaya habe ich im Juli 2018 eröffnet. Systemische Familientherapie ist eine Psychotherapie-Richtung, die davon ausgeht, dass jeder Mensch in einem Umfeld ('System') eingebettet ist, das sich ganz wesentlich auf das Individuum auswirkt. Wir sind also keine Inseln, die voneinander komplett unabhängig sind, sondern mehr oder weniger bewusst miteinander verbunden. Ich denke daher in der Therapie immer auch die aktuelle Familie, die Ursprungsfamilie, das Arbeitsumfeld und vieles andere mit, wenn ich mit meinen KlientInnen arbeite. Außerdem gehe ich von der Annahme aus, dass jeder Mensch ExpertIn ihres/seines eigenen Lebens ist. Dieses Expertenwissen, das manchmal durch Krisen verschüttet ist, wieder wachzurufen, sehe ich als meine Aufgabe als Psychotherapeutin."

Sie haben ja eigentlich ein Jura-Studium an der Universität Wien abgeschlossen. Wie kamen Sie auf die Idee, auf Psychotherapie umzusatteln?

"Das war ein langer Prozess. Und ich würde es eher als ein 'Verbinden' als als ein 'Umsatteln' bezeichnen. In meiner Anstellung bei der Frauenberatung Waldviertel arbeite ich z.B. sowohl mit meinem psychotherapeutischen Wissen, als auch mit meinem juristischen. Das ist wechselseitig eine große Bereicherung. Denken Sie z.B. nur an jemand, die/der in der Phase einer Scheidung ist: Hier ist juristisches Fachwissen gefragt, aber oft wird vergessen, dass das nicht ausreicht. Dass das eine elementare Krise ist, wo oft auch psychotherapeutisches Wissen gefragt ist. Wenn man so viel über Menschen erfährt und gerne mit Menschen arbeitet wie ich, reicht es einem irgendwann nicht mehr, bloß auf der rein sachlich-fachlichen Ebene weiterzuhelfen. Ich habe gemerkt, dass der höhere Bedarf oft auf der emotionalen Ebene ist."

Gab es da vielleicht auch schon Überschneidungen zwischen beiden Gebieten, die in einer Beratungssituation hilfreich waren, z. B. während Ihrer Tätigkeit in psychosozialen Einrichtungen?

"Genau, die gab es ganz, ganz oft und mein Interesse hat sich immer mehr dorthin verlagert, wo punktuelle Hilfe aufhört und zu einer Hilfe zur Selbsthilfe wird. Wo, wie in der Psychotherapie, längerfristige Veränderung möglich wird."

Welche Anliegen im Bereich Familie beschäftigen Ihre KlientInnen am häufigsten? Oder ist das ganz grundverschieden?

"Das ist wirklich sehr verschieden. Mehrfachbelastungen nehmen natürlich zu, so dass typischerweise mehrere Lebensbereiche (Familie, Arbeit etc.) betroffen sind."

Haben sich Ihre genannten Spezialgebiete eigentlich aus den Themen entwickelt, mit denen Sie als Professionalistin besonders häufig in Ihrer beruflichen Laufbahn konfrontiert waren?

"Einerseits ja und andererseits bin ich natürlich auch Privatperson. Manche KlientInnen wissen, dass ich selbst Mutter bin. Dass ich mir manche Lebensthemen vielleicht besonders gut vorstellen kann und da gut hilfreich sein kann. Und das Wichtigste ist sowieso, ob die Chemie zwischen KlientIn und TherapeutIn stimmt. Das ist der Grundstein für gutes therapeutisches Arbeiten und so finden mich manche KlientInnen und Themen einfach auch."

Eine Frage die sich für Familien sicher öfter stellt: Wann ist Therapie ratsam oder empfehlenswert? Nach wie vor wird dieses Angebot ja häufig erst in Anspruch genommen, wenn schon "der Hut brennt", also z. B. der Alltag massiv beeinträchtigt ist, eine Krankheitsdiagnose vorliegt oder das Kind Auffälligkeiten zeigt.

"Natürlich ist es ratsam, bei Problemen möglichst früh zu kommen oder sich durch psychotherapeutische Gespräche auch 'nur' Entlastung zu suchen. Aber manchmal gibt es halt auch Situationen, wo man sich den Zeitpunkt gar nicht so selbstbestimmt aussucht, weil eine akute Krise (Trennung, Todesfall oder ein anderer Schicksalsschlag) eine Therapie notwendig macht."

Gibt es Fälle, in denen es wenig Sinn hat, mit einzelnen Personen aus der Familie zu arbeiten und in denen Sie empfehlen, dass Gruppengespräche stattfinden sollen? Wenn so eine Situation eintritt und sich eine Person in der Familie weigert, zu den Gesprächen mitzukommen - welchen Einfluss kann das auf das gesamte System "Familie" haben?

"Es kommt immer darauf an, was das Anliegen und das Ziel der jeweiligen Therapie sind. Manchmal kommt schon die gesamte Familie zu mir oder das Ehepaar mit einer Paar-Problematik. Wenn ich z.B. mit Kindern arbeite, dann gibt es in regelmäßigen Abständen auch Elterngespräche, um die Eltern ins "Therapieboot" zu holen und zu informieren.

Wenn ein Familienmitglied trotz Einladung und Anregung 'nicht mitmacht', dann hat das natürlich Einfluss. Andererseits spiegelt das dann oft auch die 'Realität' im System Familie wieder. Ich arbeite immer mit denen, die da sind. Alles andere hätte auch gar keinen Sinn. Und sobald sich ein Teil des Systems ändert, macht das auch Veränderung im gesamten System, die man nicht unterschätzen darf."

Im Waldviertel ist man als Person ja nicht so anonym, wie etwa in Wien. Das heißt, dass meine Umgebung wahrscheinlich mitbekommt, wenn ich das Angebot von Therapie in Anspruch nehme. Auch eventuell Menschen, von denen ich nicht unbedingt will, dass sie das wissen. Ist das für manche Familien ein Problem? Glauben Sie, dass es Menschen sogar davon abhalten könnte, Therapie in Anspruch zu nehmen? Oder hat sich hier schon einiges verändert, seit wir Kinder waren - und man kann heutzutage durchaus offen damit umgehen?

"Einerseits glaube ich, dass es Menschen abhalten kann - aber auch in der Großstadt. Andererseits merke ich da schon eine zunehmende Offenheit auch am Land. Psychotherapie erhält schrittweise die Selbstverständlichkeit, die sie haben sollte. Wenn ich mir den Arm breche, lasse ich ihn auch professionell vom Arzt behandeln und evtl. eingipsen. Bei psychischen Problemen und Krisen darf genauso selbstverständlich Hilfe in Anspruch genommen werden."

Sie sind ja auch Yoga-Lehrerin, bieten sowohl Schwangeren-Yoga-Kurse als auch Mama-Baby-Yoga an und können auch privat auf eine sehr lange Yoga-Praxis zurückschauen. Gibt es Fälle, in denen Sie KlientInnen zusätzlich zu ihrer Therapie raten, Yoga zu praktizieren?

"Wenn mir das z.B. aufgrund des beruhigenden Effekts sinnvoll erscheint, wäre das denkbar. Aber ich versuche da nicht zu missionieren. Für die eine passt Yoga als körperlicher Ausgleich, für den anderen boxen. Die dritte geht lieber spazieren. Da muss man - wie bei allem - sehr individuell schauen, was hilfreich sein kann."

Ein weiteres Ihrer Spezialgebiete sind Babymassagen. Haben diese ihrer Meinung nach neben der entspannenden und gesundheitsfördernden Wirkung auch einen Effekt auf die Bindung zwischen Eltern und Baby?

"Davon bin ich überzeugt! Babymassage ist ein sehr feines und gleichzeitig einfaches Mittel, die Eltern-Kind Bindung zu stärken. Und noch etwas: Wir Eltern bekommen das Gefühl, wirksam zu sein. Das ist das Gegenteil von 'hilflos'. Und so fühlen wir uns manchmal ja in unserer neuen Rolle als Mutter/Vater. In die Selbstwirksamkeit zu kommen, wirkt sich dann nicht nur positiv aufs Baby aus, sondern auch auf uns als Eltern."



Das Interview führte Rubina Weinzettl.

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