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stp-baby Redaktion
24. Mai 2019

MIT EINEM HUND AUFZUWACHSEN IST EINE BEREICHERNDE LEBENSERFAHRUNG FÜR JEDES KIND

Tier- und Hundetraininerin Bina Lunzer im stp-baby Interview

Mag. Bina Lunzer, cert. CBST ist zertifizierte Verhaltenstrainerin für Hunde und hat darüber hinaus noch etliche andere Weiterbildungen in ihrem Fachbereich absolviert. Besonders liegt ihr dabei am Herzen Hunde, die nicht auf Babys oder Kinder sozialisiert sind, in echte Familienhunde zu verwandeln (mehr zu diesem Thema auf: www.familiemithund.info).

Leider kommt es häufig vor, dass Familien sich gezwungen sehen ihren Hund nach der Geburt eines Babys weg zu geben. Gründe dafür können sein, dass er das Baby anknurrt und die Eltern sich um das Wohlergehen ihres Babys sorgen. Aber auch Schwierigkeiten im Alltag mit dem Hund, wie das Zerren an der Leine während des Spaziergangs können während Schwangerschaft und Kinderwagen-Zeit plötzlich zum Problem werden.

Wie man diese Probleme durch gezieltes Hundetraining lösen und seinen geliebten Vierbeiner behalten kann, erfahrt ihr jetzt im stp-baby Expertinneninterview mit Bina Lunzer!

Weitere Infos und Kontaktdaten von Happy Training Tiertraining findet ihr in unserer stp-baby-Datenbank!

Wie kam es dazu, dass du dich als Expertin u.a. gerade auf Familien spezialisiert hast, was war ausschlaggebend dafür?

Meine persönlichen Erfahrungen in meinem Umfeld: da sah ich mehrfach traurig zu, wie ein Hund abgegeben wurde nach der Geburt eines Babys - wegen leichten bis mittelgradigen Verhaltensproblemen, die auch vor der Geburt schon bestanden hatten. Leinenzerren z. B. stört halt wesentlich mehr, wenn man dabei einen Kinderwagen schiebt. Meine Perspektive als Trainerin auf manche dieser Abgabegründe war: „Ich hätte so gerne vorher gesagt, dass es nur wenige Wochen dauern wird, dieses Problem zu beheben. Danach hättet ihr glücklich viele Jahre miteinander leben können...“ Aus diesem Grund ist mir die Aufklärung junger Familien sehr wichtig geworden: Es geht mir um den Hund, der sein Zuhause hoffentlich behalten darf, aber auch um das Kind, das meinen geplatzten Kindheitstraum leben darf: Einen Familienalltag mit Hund.

Wie werden deine Angebote angenommen, wo siehst du die größten Benefits für die (großen/kleinen, zwei-/vierbeinigen ;-)) TeilnehmerInnen?

Die Elternbildungsprogramme Dogs & Storks und Dogs & Babies gibt es in den USA schon lange, im deutschsprachigen Raum seit 2013. Inzwischen gibt es diese beiden Vortragsprogramme auf vier Kontinenten. Wir haben als Trainerteam in Deutschland, Österreich und der Schweiz seitdem vielen Familien durch unsere Abendvorträge und gegebenenfalls praktisches Training im Anschluss geholfen, aus ihrem Hund einen tollen Familienhund zu machen

Aus unseren Feedbackbögen sehe ich, dass der größte Benefit der Teilnehmer ist, dass sie Körpersprache ihres Hundes besser deuten können und lernen und besser auf Stress ihres Hundes zu reagieren. Das ist wichtig für die Sicherheit im Kind-Hund-Haushalt.

Wo stecken für dich beim Thema „Schwanger bzw. Baby mit Hund“ die größten Herausforderungen?

Das ist sehr individuell von Familie zu Familie, abhängig von ihrem Alltag: Für den einen Hund ist die größte Herausforderung ein Spaziergang mit schwangerem Bauch, weil er an der Leine zerrt oder anspringt, ein anderer hat vielleicht nach dem Kind geschnappt. In manchen Familien kommen besondere Herausforderungen zum „normalen Alltag“ mit Baby und Hund hinzu: Alleinerzieherin zu sein oder einen greisen Hund pflegen zu müssen, der vielleicht inkontinent und schwerhörig ist. Genauso individuell wie die Herausforderungen und Möglichkeiten einer einzelnen Familie müssen auch die Lösungen für einen harmonischen Alltag sein.

Für mich als Trainerin ist eine große Herausforderung, dass in manchen Köpfen die Erwartung von Hofhunden vor 70 Jahren noch fest sitzt: "Ein Hund muss sich alles gefallen lassen." Ein Hofhund hat viel Platz und kann immer ausweichen, wenn ihm etwas zu viel wird. Wenn man mit einem Hund in einer kleinen Wohnung zusammenlebt, ist es realistischer zu erwarten, dass ein Hund sich wie ein Hund benehmen wird, wenn er überfordert ist. Es gibt viele einfache Tricks und Tipps, wie man Stress aus Situationen nehmen kann im Kind-Hund-Haushalt. Man muss sie halt wissen. :-)

Kannst du ein oder zwei Praxis-Beispiele nennen, die häufig vorkommen, und in ein paar groben Worten beschreiben, wie ihr dann gemeinsam in deinen Kursen daran arbeitet?

Mein letzter Fall mit Problemen zwischen Hund und Baby war ein Hund aus dem Auslandstierschutz, der demnach schlecht auf Kinder sozialisiert war. Er hatte das Kind schon mehrfach angeknurrt. Wir haben gemeinsam besprochen, wie die Körpersprache des Hundes aussieht, bevor er knurrt und wie man frühzeitig Bedrängungssituationen des Hundes auflösen kann. Dafür haben wir anschließend einen indoor-Rückruf aufgebaut. Der Hund hatte nämlich draußen einen super Rückruf, nur indoor konnte er mir dem Signal nichts anfangen - ein häufiges Problem, denn das übt man ohne Kinder im Haus ja kaum. Außerdem haben wir dem Hund beigebracht, auf Signal unter den nächsten Türstock zu gehen, den er sehen kann: Wenn das Kleinkind auf ihn zuläuft, kann man den Hund also inzwischen entweder abrufen oder von der Bezugsperson wegschicken in die nächste Tür. Außerdem haben wir den gesamten Tagesablauf und das Wohnungslayout durchgesehen, wo wir für den Hund für Entspannung finden und für ein handgerechtes Leben sorgen können. Jetzt klappt’s super.

Gibt es ein besonders schönes (Erfolgs-)Erlebnis aus deinen Familie-mit-Hund-Kursen, das du gern mit uns teilen möchtest?

Oh, ich kann mich gar nicht entscheiden! Ich denke, gerade die familienmithund-Fälle sind für mich als Trainerin sehr oft sehr bereichernd und emotional. Es kommt vor, dass wir mit Tränen im Erstgespräch starten, weil die Familie den Hund liebt und nicht abgeben möchte, andererseits aber in Sorge ist ums Kind. Wenige Wochen später verabschieden wir uns mit einem Lächeln und ich freue mich, so viel Harmonie und so wenig Stress zu sehen. Klar muss man als hundehaltender Elternteil sehr viel schauen, sehr viel achtsam sein - ständig! - aber es lohnt sich: Denn mit Hund aufzuwachsen ist eine unglaublich bereichernde Lebenserfahrung für jedes Kind.

Ich lese, dass du Mutter eines Mädchens bist und dass ihr selbst „leider nur noch“ einen Hund habt. Warum nur ein Hund? Ist eine größere Hundegruppe mit Job und Familie schlecht zu vereinbaren?

Die Fachwelt ist zweigeteilt bei der Frage, ob Einhundehaltung oder Mehrhundehaltung „besser“ ist. Ich finde, beides ist okay, solange man die Bedürfnisse eines jeden Hundes decken kann und will. Eigentlich möchte ich schon wieder einen zweiten Hund haben, aber ich bin noch geknickt vom Tod meines Emil, der mein absoluter Herzenshund war. Es ist mir einfach nicht möglich, seinen Platz jetzt schon „nachzubesetzen". Unser derzeitiger Hund Nello kommt super klar allein oder mit anderen Hunden - für ihn ist beides okay, denke ich. Ich würde mich immer nach meinen bestehenden Hunden richten, ob ein neuer dazukommt, und natürlich nach meiner Zeit: Denn ein Welpe braucht 18 Monate lang unglaublich viel Zeit, wenn man möglichst viel richtig machen will.



Das Interview führte Althea Müller.

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