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stp-baby Redaktion
6. Januar 2018

UNSERE TAGESKINDER GEHÖREN ZUR FAMILIE

Tagesmutter Inge Haunold-Spanner im Interview

Inge Haunold-Spanner - selbst Mutter von zwei Mädels im Kindergarten-Alter - arbeitet als Tagesmutter. In ihrem schönen Zuhause mit Garten im niederösterreichischen Böheimkirchen bietet sie den Kindern anderer arbeitender Mamas tageweise eine liebevolle und sichere Betreuung: gut aufgehoben in ihrer Tagesfamilie. Im Interview plaudert sie mit uns über ihren Beruf und gibt wertvolle Empfehlungen für Eltern, die eine Tagesmutter suchen. Außerdem verrät sie uns, warum eine Tagesmutter niemals "die Mama" ist - und warum auch ihre eigenen Töchter vom Modell der Tagesfamilie profitieren. Übrigens: Die Träger-Organisation der Caritas Tagesmütter findet ihr in unserer Datenbank!

Inge, Sie arbeiten seit einigen Monaten erfolgreich als Tagesmutter. Ihre eigenen Töchter sind beide bereits im Kindergarten. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen? Sie kommen beruflich ja eigentlich aus dem Event-Bereich?

"Sie kennen das: mit einem Kleinkind zu Hause hört man den ganzen Vormittag über geschäftiges Tun, Kinderlachen, das Trab-trab-trab kleiner Füße, Weinen und gefühlte 1 Million Mal 'Mama'. Am Ende des Winters habe ich realisiert, dass es bald ganz ruhig werden wird bei mir zu Hause, wenn meine beiden Mädels beide im Kindergarten sind. Und der Gedanke gefiel mir nicht. Mitbeeinflusst hat meinen Entscheidungsprozess die Tatsache, dass ich weiterhin für meine Kinder die Haupt-Bezugsperson bleiben möchte. Ich will da sein, wenn sie vom Kindergarten - und später von der Schule - nach Hause kommen. Bis sie mehr und mehr ihre eigenen Wege gehen, möchte ich ihnen ein Zuhause mit menschlicher Wärme bieten. Nicht nur ein Dach über dem Kopf, fertiges Essen in der Mikrowelle und ein großes TV Gerät als Unterhalter.

Viele Eltern haben zudem keine Großfamilie - zumindest nicht im Ort. Und auch kein freundschaftliches Netzwerk, auf das sie zurückgreifen können. Deren Kinder aber brauchen, wenn die Eltern berufstätig sind, natürlich trotzdem einen zweiten Ort, 'wo sie hingehören' - und wo sie gut aufgehoben sind und sich geborgen fühlen. Zum Beispiel in einer Tagesfamilie. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass meine Töchter davon profitieren, mit anderen Kindern gemeinsam aufzuwachsen. Das Zusammenleben von Kindern unterschiedlicher Alternsgruppen ist, aus meiner Sicht, ein großer Gewinn für jeden Einzelnen.

Und weil Sie meine berufliche Vergangenheit im Event-Bereich ansprechen: Meine Zeit in einer Event-Agentur war die beste Schule für mein Mutter- und Tagesmutter-Dasein. Denn einen Tag mit 5 Kindern zu organisieren, ist ähnlich der Organisation eines Mitarbeiter-Events mit 300 TeilnehmerInnen und 17 EntscheidungsträgerInnen."

Wie gestaltet sich der Alltag in Ihrer „Tagesfamilie“ - wie sie Ihr Modell liebevoll nennen - denn nun?

"Eingebettet in unser Dreimäderl-Haus dürfen die Kinder normalen Alltag erleben. Ich sehe mich nicht als Kindergarten-Ersatz oder Animateurin. Bei uns ist es 'wie zuhause': Meine Tageskinder sind großteils kleine Zwerge. Der Jüngste ist noch ein Krabbel-Kind, das sich demnächst zu den ersten Schritten aufmachen wird. Der Alltag erhält seine Struktur entsprechend den Bedürfnissen der Kinder. Jausen- und Schlafenszeiten sowie der Weg in den Kindergarten und retour ergeben den Rahmen. Ich koche jeden Tag frisch – da sind die Kinder mittendrin statt nur dabei. Das sind unsere Fix-Punkte. Dazwischen wird gespielt, gekuschelt, vorgelesen und erforscht. Dabei gelten für meine Tageskinder die gleichen Regeln wie für meine zwei Mädels. Mir ist es z.B. sehr wichtig, dass wir nur bei Tisch essen und anschließend Hände waschen gehen. Es ist wirklich toll, zu beobachten, wie schnell alle Kinder diese Gegebenheiten als selbstverständlich hinnehmen - die 1jährigen genauso wie die 10jährigen!

Wie geht es Ihren eigenen Kindern damit - freuen sie sich über die Spiel-GefährtInnen oder gibt es auch mal 'Knatsch'?

"Unsere Tageskinder gehören, wenn sie bei uns sind, zu unserer Familie. Mit allen Streitigkeiten, die unter Kindern dazugehören. Meine Mädels sind beide extrem offen und mögen es, wenn viel los ist. Zudem sind sie sehr sozial. Die Kleinen haben dazu noch einen Extra-Bonus: Meine Töchter sind nämlich ganz vernarrt in unsere kleinsten Tagesfamilien-Mitglieder. Dabei haben die zwei jedoch auch ihren Rückzugsbereich: Ihr Zimmer gehört nur ihnen."

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften, die eine gute Tagesmutter braucht?

"Ich denke, das Wichtigste ist, sich bewusst zu sein, das man nicht die Mama ist. Es gibt nur eine Mama, und die ist man nicht. Man muss außerdem zulassen können, dass man die Zwerge in sein Herz lässt. Und sich trotzdem abgrenzen können. Es ist wunderschön, wenn einen die Kinder als Bezugsperson annehmen, sich trösten lassen und zum Kuscheln kommen. Das muss man auch annehmen können. Und natürlich muss jede Tagesmutter mitbringen, was jede Mutter braucht: Humor, Ruhe, Gelassenheit, Geduld – alles, wovon man mal mehr, mal weniger hat."

Was möchten Sie Müttern und Vätern mitgeben, die aufgrund beruflicher Dringlichkeiten darüber nachdenken, ihre noch sehr kleinen Kindern - noch vor Kindergarten-Alter - einer Tagesmutter anzuvertrauen? Da ist ja auch viel Angst dabei, wenn man sein Allerkostbarstes jemand „Fremdem“ anvertraut.

"Ich weiß noch gut, als meine ältere Tochter Johanna im Kindergarten begonnen hat - und ich mir gedacht habe: 'Ich gebe euch das Wertvollste, das ich habe.' Und sie war schon 3 Jahre alt – und konnte sprechen. Ob es die richtige Tagesmutter ist oder nicht, kann man nur 'spüren': Anrufen, einen Termin ausmachen und auf sein Bauchgefühl beim ersten Kennenlernen hören. Beobachten, wie wohl sich sein Kind fühlt und 'spüren', ob es dort sein will. Wenn Mama oder Papa davon überzeugt ist, dass der Nachwuchs fremdbetreut werden soll und ein gutes Gefühl bezüglich der Tagesmutter hat, dann wird es auch gut funktionieren."

Inge, haben Sie abschließend Tipps und Empfehlungen für Eltern, um "die Richtige" für sein Kind zu finden?

"Der erste persönliche Eindruck zählt! Das Gefühl muss stimmen. Und man muss sich in den Räumlichkeiten wohl fühlen. Tagesmütter sollten über eine abgeschlossene Fach-Ausbildung verfügen. Wenn sie zudem über einen Trägerverein wie die Caritas oder das Hilfswerk arbeiten, unterliegen sie Kontrollen von Jugendamt und Regional-BetreuerInnen. Abklären kann man z.B. folgende Parameter, so sie einem wichtig sind:

  • Hat die Tagesmutter selbst Kinder, und wenn ja, in welchem Alter?

  • Wie viele Kinder betreut die Tagesmutter gleichzeitig?

  • In welchem Alter sind die anderen Tageskinder?

  • Passt der Tages-Ablauf der Tagesfamilie grob zum eigenen?

  • Passen die Wert-Vorstellungen der Tagesmutter zum eigenen Familienmodell?

Und man muss bereit sein, sich darauf einzulassen. Und gegenseitig akzeptieren, dass jede Mutter und jede Tagesmutter ihre eigenen Herangehensweisen hat."

(Vielen Dank für das Interview an Inge Haunold-Spanner!)

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